Dienstag, 26. Februar 2013
Erste Ergebnisse meiner "Schreibwut"
"Die Dukelhaarige leerte das Glas Whiskey in einem Zug und orderte sofort ein weiteres.
Der Alkohol half – zumindest ein bisschen. Sie fragte sich ununterbrochen, ob sie nicht etwas übersah. Ein kleiner Hinweis. Irgendwas, das sie auf der Suche nach ihrem Bruder weiterbrachte. In jedem gottverdammten Ort, an dem das kleine Team, dem sie unterworfen war, Rast machten, begab sie sich von neuem auf die Suche. Erfolglos. Nicht eine winzige Spur hatte sie in den vergangenen Monaten entdecken können.
Sie stellte das nächste Glas leer auf den Tresen.
Die Gildenmitglieder verloren langsam die Geduld, das wusste Alison genau. Irgendwann musste sie sich für ihre Alleingänge verantworten müssen und der Grund würde besonders dem Chef der Gilde überhaupt nicht gefallen.
„Schänken sie mir noch einen Whiskey ein!“, brummte sie den Wirt an.
Dieser warf ihr einen Blick zu, den sie nicht zu deuten vermochte. Vermutlich fragte er sich, wie eine junge Frau an einem Abend so viel Whiskey trinken konnte, ohne halbtot kotzend am Boden zu liegen. Die Antwort war denkbar einfach: In den letzten Monaten hatte Alison nach ihren erfolglosen Suchen so oft Bars und Kneipen aufgesucht, dass ihr Körper kaum noch auf den Alkohol, den sie sich einflößte, reagierte.
Nachdem Alison auch das letzte Glas ausgetrunken hatte, stand sie auf und legte etwas Geld auf den Tresen. Gestohlenes Geld. Sie rümpfte höhnisch die Nase. Was für ein Leben war das nur, das sie zu führen verdammt war. Verflucht. Abscheulich!
Seid die Gilde „Crystal Moon“ vor einiger Zeit als abtrünnig erklärt worden war, befand sie sich nun ununterbrochen in Geldnot. „Verdammte Scheiße!“, dachte sie sich, wenn sie daran dachte, wie die damals ehrenvolle Gilde sich in eine Bande aus Dieben gewandelt hatte. Sie hatte ihren einstigen Sinn verloren, zog nun durch die Lande, um ehrlose Aufträge zu erfüllen und nebenbei etwas Geld zu stehlen.
Als Alison die Tür der Kneipe öffnete, kam ihr ein Schwall frischer Luft entgegen. Es war eine sternklare Nacht und der volle Mond spendete genug Licht, um die Umrisse der Straßenzüge sichtbar zu machen. „Straßen... wohl eher Trampelpfade!“, grummelte Alison argwöhnisch.
Sie hatte es einmal so gut gehabt. Crystal Moon war eine angesehene Gilde gewesen, die ihren Mitgliedern ein angenehmes Leben hatte bieten können. Doch jetzt ging es bergab mit Crystal Moon. Was die Mitglieder führten, ließ sich kaum noch Leben schimpfen, jedoch war jeder einzelne von ihnen auf die Gilde angewiesen. Außer ihr hatten sie schließlich nichts. „Bis auf ihre Einstufung als abtrünnige Magier.“, stellte Alison genervt fest, während sie sich ihren Weg durch die verwinkelten Gassen der Kleinstadt bahnte.
Der Saum ihres Umhangs schlug ihr um die Fußgelenke, als sie in eine Gasse einbog, in der ein kühler Luftzug wehte. Alison vernahm aufgeregte Stimmen aus einem der dicht beieinander stehenden Gebäuden. Glas zerbrach und wenige Augenblicke später wurde die Tür der Kneipe von innen geöffnet. Ein Schrank von einem Mann schwankte betrunken ein paar Meter vor Alison auf die Gasse hinaus.
Jede andere wäre vermutlich ängstlich umgedreht und hätte sich so schnell wie möglich aus dem Staub gemacht, bevor der Betrunkene handgreiflich wurde – Alison nicht. Sie verlangsamte nicht einmal ihre Schritte. Warum auch? Sie war schließlich eine Magierin – und zwar eine verdammt mächtige. So mächtig, dass sie sogar den anderen Mitgliedern von Crystal Moon Angst einjagen konnte, wenn sie wütend wurde.
Es war daher üblich, dass man Alison aus dem Weg ging, ihre Entschlüsse nicht in Frage stellte und ihr nicht zu viel Macht überließ, damit niemand Schaden davontrug. So war sie in all den Jahren, die sie in der Gilde verbracht hatte, ein einfaches Mitglied geblieben, das die Aufträge auszuführen hatte, die der Gildenchef erteilte. Meist waren es die Aufträge, die sonst niemand machen wollte. Die, bei denen Alison keine Magie einsetzten musste.
Es kam, wie es kommen musste. Der Betrunkene schwankte auf die junge Frau zu, lallte unverständliche Worte vor sich hin und kam Alison bedrohlich nahe. Alles, was sie tat, war dem Mann direkt in die Augen zu schauen. Dieser blieb Sekundenbruchteile später wie versteinert stehen, während Alison ihren Weg fortsetzte.
Totenstille."